Bergwelt: meine ersten 1000 Höhenmeter mit der Kamera Wandern
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Bergwelt: meine ersten 1000 Höhenmeter mit der Kamera

In der Natur und auch in den Bergen war ich immer schon gerne – klar, sonst wäre der Dreh- und Angelpunkt dieser Website und meiner Fotoleidenschaft vermutlich nicht die Landschaftsfotografie, sondern Architektur-, Street oder People-Fotografie. All das finde ich auch interessant, aber mein Herz hab ich eben daran verloren, mit Kamera und Stativ irgendwo rumzustehen und oftmals imposante, manchmal ganz „stille“ und immer wunderschöne Naturszenen einzufangen.

Seit heuer ist für mich aber ein Aspekt dazugekommen und eigentlich auch ziemlich wichtig geworden: ich will nicht nur mit der Kamera in einer beeindruckenden Naturlandschaft herumstehen, sondern ich möchte auch ganz bewusst dort hingekommen sein (Jetzt fragst du dich sicher „was meint sie denn? Unbewusst kommt man ja nur selten wohin…)! Und ganz bewusst geht am besten zu Fuß.

Vielleicht hat da auch diese eigenartige Zeit, durch die wir gerade müssen, ihren Teil dazu beigetragen – Reisen außerhalb von Österreich zu unternehmen war und ist beinahe unmöglich und auch innerhalb phasenweise nicht oder nur schwer machbar. Im Frühjahr habe ich deshalb die Blümchenfotografie für mich entdeckt und war auf der Suche nach Frühblühern im Wald ums Eck. Als es dann ein wenig wärmer wurde, dachte ich mir: „naja, dann gehst du halt mal ein wenig mehr wandern, vielleicht ist sogar der eine oder andere kleinere Gipfel drin“. So hab ich dann meine zweite große Leidenschaft neben der Fotografie entdeckt – das Wandern in den Bergen. Beides lässt sich optimal miteinander verbinden und zusammengekommen sind natürlich weit mehr als 1000 Höhenmeter!

In den Bergen – die Vorbereitung

Noch ein Satz, der mir wichtig ist: das hier ist vor allem ein Beitrag über „meine Bergfotografie“. Ich habe heuer angefangen „ernsthafter“ zu wandern und in den Bergen unterwegs zu sein. Ich bin weder ein besonders erfahrener Wanderer noch sonst irgendwas in diese Richtung, sondern jemand, der versucht möglichst gut vorbereitet, ausgerüstet und mit dem notwendigen Maß an Respekt die Berge zu erkunden.

Also bitte nicht an dem orientieren, wie ich es mache – es gibt im Netz hunderte von tollen Blogs, Websiten und Homepages von Leuten, deren Schwerpunkt nicht die Fotografie ist, sondern auf dem Alpinismus und dem Wandern liegt und die richtig viel Ahnung davon haben. Diesbezüglich würde ich mich eher an denen oder – falls du eher für analog als digital bist, an einen Bergführer, den Alpenverein oder einfach einen Bekannten, der viel Erfahrung mit sich bringt, orientieren. So mache ich es auch. 🙂

Die Ausrüstung

Wer wandern geht, braucht „Wanderzeugs“ – da ist es grundsätzlich mal egal, ob du in den Bergen unterwegs bist oder quer durchs Flachland trekkst. Jedoch ist die Anforderung an die Ausrüstung eine andere, je nachdem, ob du weit wandern möchtest, aber wenige Höhenmeter machst, Wanderungen in den Alpen am Plan stehen oder du dich eventuell sogar für eine Hochtour und damit für richtiges Bergsteigen vorbereitest. Bei mir waren es vor allem Gipfel bis maximal etwas über 2000m, die ich mir heuer vorgenommen habe. Meine Wanderausrüstung besteht dementsprechend aus:

  • Wanderschuhen, die für solche Touren geeignet sind (da habe ich mich im Fachhandel beraten lassen)
  • Wanderhosen in kurzer und langer Ausführung
  • T-Shirts mit hohem Merino-Anteil (stinkt nicht, aber unbedingt auf die Nachhaltigkeit und das Tierwohl achten, da gibts riesige Unterschiede!)
  • Weste und Regenjacke gegen Wetterumschwünge und Kälte
  • gute, hochwertige Wandersocken (auch Merino)
  • einer Haube, Neckwarmer und Handschuhen (am Gipfel kann es auch im Sommer kalt werden)
  • Trekking-Stöcke
  • Trinkblase (für mich die bessere Alternative zur Wasserflasche)
  • Erste-Hilfe-Set
  • Biwak-Sack für 2 Personen
  • Stirnlampe (+ Ersatzbatterien)
  • Navigationstools (Wanderkarten der jeweiligen Region und GPS-Uhr)
  • vollaufgeladenes Handy (für Notrufe brauchts halt auch Akku)

Damit bin ich eigentlich ganz gute durch die „Frühsommer bis Spätsommer“-Wandersaison gekommen. Was dann noch dazukommt, ist die Fotoausrüstung. Hier hab ich von Anfang an versucht nach der Prämisse „weniger ist mehr“ zu packen (Fotozeugs ist nämlich richtig schwer) ohne dabei auf die Utensilien zu verzichten, die für mich und meine Fotografie unbedingt notwenig sind. Schlussendlich bin ich nun unterwegs mit:

  • einer spiegellosen Vollformatkamera von Sony (die hatte ich aber vorher auch schon und würde ich nicht mehr hergeben wollen)
  • einem „erweiterten“ Standardzoom-Objektiv (24-105mm f4, auch von Sony)
  • einem Weitwinkel-Objektiv (16-35mm f4, wieder Sony)
  • verschiedenen Filtern + Filterhalter (Neutraldichte- Polarisations- und Grauverlaufsfilter)
  • einem Carbon-Stativ
  • etwas Kleinzeugs (Putztücher, Fernauslöser, Blasebalg, usw.)

Alles was ich nicht direkt angezogen habe, verstaue ich in einem Fotorucksack des amerikanischen Herstellers f-Stop. Einen Rucksack zu finden, der sich sowohl wirklich zum Wandern als auch für die Fotoausrüstung eignet, ist keine einfache Sache. Gefühlt sind in diesem Jahr einige neue Hersteller auf dem europäischen Markt aufgetaucht, die ziemlich interessante Alternativen anbieten – als ich meinen f-Stop letztes Jahr gekauft habe (und schon einige Rucksäche durch hatte, mit denen ich nicht glücklich wurde), waren diese Rucksäche für mich die einzige wirkliche Option. Und der Kauf hat sich auch als Glückgriff herausgestellt! Leider wird genau dieses Modell nicht mehr hergestellt (ich hab meinen gebraucht bekommen) und ich hoffe deshalb, dass er nie kaputt wird!

Der Rucksack hat ein Volumen von 37 Litern, da ist für mich gerade genug Platz für eine maximal 2-Tagestour – Fotozeugs ist nicht nur schwer, sondern braucht auch viel Platz. Wobei ich hier erwähnen sollte, dass ich die absolut beste Wanderbegleitung habe, die man sich wünschen kann und deshalb z.B. keine oder nur sehr wenig Verpflegung mitnehmen muss. Müsste das auch noch in meinen Rucksack, dann wäre sehr platzoptimiertes Packen angesagt. So geht sich das alles aber gut aus.

In Summe wiegt das ganze dann so in etwa 10kg, mal etwas mehr oder auch weniger – je nachdem wie viel Wasser und zusätzliches Gewand ich einpacke, ob ich die Trekkingstöcke dabei habe oder nicht. Das ist schon einiges an Gewicht – wer gute Fotos will, muss leiden. 😉

Die Tourenplanung

Die Planung von Fotos und die Planung von Wanderungen haben schon einige Gemeinsamkeiten – Sucherei im Internet und auf Landkarten, vielleicht ein wenig rumfragen, die Wettervorhersage checken. Die Planung ist in beiden Fällen gut und wichtig. Aber all das betreibe ich schon noch „gewissenhafter“, wenn ich weiß, dass ich nicht 30 min von meinem Autoparkplatz aus irgendwo hinspaziere um ein Foto zu machen, sondern 5 bis 6 Stunden in den Bergen unterwegs bin, bis ich überhaupt einmal den Gipfel erreicht habe. Und dann muss ich (zumindest einen Teil der Strecke) auch wieder gesund runter.

Da genügt dann nicht ein schneller Blick auf die Wetterapp vom Handy, sondern ich ziehe diverse Wetterseiten zur Rate (z.B. Bergfex-Wetter), sehe mir die Webcams der Umgebung an und sage im „Worst-Case“ die Wanderung ab, weil die Gewitterwahrscheinlichkeit zu hoch ist oder der Regen den ganzen (Vor)Tag nicht aufhört und der Weg dadurch zu rutschig ist. (Will ich nur schnell ein Foto machen, dann versuche ich das oft auch, wenn die Wetterverhersage durchwachsen ist – mit etwas Glück reißt es kurz auf.)

Bevor ich mich aber um die Wettervorhersage kümmere, muss zuerst einmal der Gipfel ausgewählt und der Weg dorthin möglichst gut recherchiert werden – dazu nutze ich diverse Quellen wie etwa das österreichische Bergfex oder die Seite Alpenvereinaktiv. Selbst bei der besten Recherche müssen noch genug „Reserven“ vorhanden sein, wenn du dann wirklich vor den Aluleitern stehst, die im Internet nur als kurze und einfache Kletterei beschrieben wurden. Ist halt doch nochmal was anderes, wenn du selber rauf willst. Eine realistische Selbsteinschätzung (schaffe ich den Weg, kann ich meine (Kamera-)Ausrüstung soweit tragen, etc.) ist wichtig und notwenig – und wenn es wirklich nicht weitergeht, dann ist Umdrehen vielleicht manchmal die bessere Option.

In den Bergen unterwegs

Ist der Rucksack gepackt, die Planung abgeschlossen und das Wetter spielt mit, dann steht der Wanderung nichts mehr im Weg. Bei mir war da heuer angefangen von kurzen, maximal einstündigen Wanderungen zum Sonnenauf- oder Untergang bis hin zu Ganztagestouren, alles dabei.

Angefangen habe ich dabei ab Mai mit Touren bis ca. 800 Hm, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ich das mit dem Fotorucksack schaffe. Und das kann ich wirklich jedem ans Herz legen: wandern mit leichtem Tagesrucksack in dem etwas Essen und die Regenjacke drin sind, ist das eine. Wandern mit 10kg Gepäck am Rücken ist das andere. Bevor du dich also an die Tour mit mehr als 1000 Hm wagst, einfach mal klein anfangen. So hab zumindest ich es gemacht und das ging ziemlich gut. Schließlich willst du unterwegs ja auch Fotos machen, bist du körperlich komplett ausgelaugt, dann ist auch die Freude am Fotografieren dahin.

Und auch kurze Wanderungen bieten oft schon großartige Motive! Gerade wenn du im (Früh-)Sommer entweder den Sonnenaufgang oder den Sonnenuntergang fotografieren möchtest, sind Touren bis zu ca. 1h ideal. Für alles andere musst du entweder sehr bald aufstehen oder in Gipfelnähe schlafen.

Für beide Bilder waren nur Aufstiege von 1h bis 1,5h notwendig (ca. 300-400 Höhenmeter), um den Traunstein bzw. das Höllengebirge in einer so großartigen Lichtstimmung festhalten zu können!

Und was gibt es schöneres als glühende Berggipfel!

Gerade bei langen Wanderungen ergibt es sich jedoch oft so, dass früh gestartet wird und keine Zeit bleibt, um den Sonnenaufgang festzuhalten (oder auch das geeignete Motiv fehlt, weil du gerade die Forststraße entlangmaschierst, die dich zu den Bergen bringt). So um die Mittagszeit herum, stehst du dann am Gipfel und… genau, das Fotografenherz weint, weil das Licht hart und alles andere als optimal ist.

Da bin ich für mich gerade dabei zu lernen, auch aus solchen Lichtsituationen das möglichste herauszuholen. Denn die Landschaft ist auch im Mittagslicht meistens atemberaubend schön. Außerdem fühlt es sich einfach richtig gut an, am Gipfel zu stehen und der emotionale Wert des Fotos ist riesig (auch wenn vielleicht nur für einen selbst – aber das genügt mir oft schon!).

Ein paar Tipps und Tricks fürs Fotografieren in den Bergen

Weitwinkelfotografie ist toll, du bekommst alles und noch mehr auf ein Foto. Aber viel hilft nicht immer viel. Denn auch der der imposanteste Gipfel verliert sich irgendwie bei einer Brennweite von 16mm (oder sogar darunter). Das ist mit ein Grund, warum es oft nicht gelingen will, dieses großartige „in-den-Bergen“-Gefühl festzuhalten. Mit einem Weitwinkelobjektiv zu fotografieren, bedeutet auch immer auf der Suche nach einem guten, spannenden Vordergrund zu sein und den dann dementsprechen in Szene zu setzen. Und in Kauf zu nehmen, dass der Hintergrund an Dominanz einbüßt.

Bei dieser Aufnahme dient der Stein als Vordergrund und nimmt viel von der Bildwirkung in Beschlag – die Hütten und auch das umgebende Gebirge wirken im Vergleich dazu klein und in großer Entfernung. Dadurch fühlt sich der Betrachter aber auch so, als bräuchte er nur einen Schritt machen, um mittendrin zu sein. Genau das wollte ich mit dem starken Vordergrund erreichen. Ohne den Stein würde das Bild nicht gut wirken, weil einen nichts „hineinzieht“.

Ich nutze in den Bergen gerne Brennweiten von 30mm bis 50mm. Also einen Bereich, der etwas weiter als unser natürlicher Blickwinkel (30mm) bis hin zu ungefähr dem menschlichen Blickwinkel (50mm) ist. Mit diesen Brennweiten bekommst du noch immer viel von der wunderschönen Natur auf ein Foto und zugleich empfindet ein Betrachter die Proportionen als natürlicher und kann Größenverhältnisse besser einordnen.

Eine weitere interessante Möglichkeit ist es, Fotos mit einer leichten Telebrennweite aufzunehmen. Im Telebereich verdichtet sich die Landschaft. Im Gebirge entstehen durch unterschiedlich weit entfernte Berge dadurch spannende Kompositionen, jeder Gebirgszug wirkt wie eine Schicht vor dem nächsten.

Der Telebereich geht ab ungefähr 50mm los und endet bei 600-800mm (zumindest kenne ich keine gebräuchlichen Objekte mit größeren Brennweiten). Für die Bergfotografie nutze ich ein Telezoom-Objektiv mit maximal 105mm-Brennweite.

Das ist für mich ein guter Kompromiss aus Gewicht und fotografischen Möglichkeiten. Teleobjektive werden sehr schnell richtig schwer und ein bis zwei Kilo mehr auf dem Rücken zu haben, klingt vielleicht im ersten Moment nicht so viel. Es klappt vermutlich auch bei kürzeren Wanderungen gut, dieses zusätzliche Gewicht zu tragen. Ich persönlich würde spätestens dann schlapp machen (eigentlich schon beim Gedanken daran), wenn ich 10 bis 15 Stunden in den Bergen unterwegs bin und 1700 Hm überwinde – dann lieber mit dem vorhandenen Equipment auskommen und den Gipfel schaffen.

Kurz zusammengefasst:

  • Weitwinkel-Brennweiten: Grob gesagt alles unter 40mm. Der Vordergrund ist besonders wichtig!
  • Normal-Brennweiten: Der Bereich von ca. 40mm bis 50mm. Ungefähr unser natürlicher Blickwinkel.
  • Tele-Brennweiten: Alles über ungefähr 50mm. Die Szene wird komprimiert.

Wie es weitergeht oder: meine Kamera, die Berge und ich

Für mich ist mittlerweile ganz klar, dass ich den letzten Jahren ordentlich was versäumt habe, denn ich war zwar viel mit der Kamera unterwegs, aber halt leider nicht in den Bergen. Und davon gibt’s in Österreich (und Umgebung) ja einige. Das wird sich nun zum Glück ändern und für nächstes Jahr stehen einige ziemlich spannende Touren am Programm – unter anderem der Große Priel als höchster rein oberösterreichischer Berg und der Hochkönig als erster „Beinahe-3000ender“.

Es bleibt also spannend und ich werde weiter hier berichten (ich gelobe außerdem Besserung, leider war ich heuer ziemlich nachlässig, was die Blog-Beiträge angeht)!

Hinweis: Da in diesem Beitrag Marken genannt oder verlinkt wurden, handelt es sich um Werbung. Unabhängig davon, ob es eine Gegenleistung gab oder nicht.

5 Comments

  1. Ein paar sehr schöne Bilder Nadine. Hast dir echt Mühe gegeben mit dem Beitrag. Das zweite Bild mit dem „Alpenglühen“ finde ich besonders schön. Wo hast du das aufgenommen?

    • Hallo Florian, danke dir! Ich schau, dass die Beiträge „mehr Inhalt“ bieten als früher und eventuell werde ich diesen auch noch um ein paar Bilder meiner Ausrüstung erweitern oder einen eigenen dazu erfassen. 🙂 Meinst du das erste Hochformat im Beitrag? Das ist am Almsee! LG, Nadine

  2. Ja das erste Hochformat hab ich gemeint. Den Almsee hab ich da nicht erkannt. Aber sehr schön. Danke für die schnelle Antwort.

  3. sehr schöner Blog(beitrag) Ich musste mehrmals schmunzeln beim Lesen, da es mich so sehr daran erinnert wie mich diese Leidenschaft gepackt hat. 🙂
    lg, Alex
    ps kleiner Tippfehler bei der Ausrüstung beim 24-105

    • Hallo Alex, danke dir! Ich denke, dass bei sehr vielen entweder die Fotobegeisterung einen irgendwann in die Berge treibt oder die Bergbegeisterung einen dazu bringt, irgendwann die Kamera mitzunehmen! Tippfehler hab ich schon ausgebessert. 😉

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