3 Tage unterwegs im schönen Bayern. Karwendel & Co.

3 Tage unterwegs im schönen Bayern. Karwendel & Co.

Tag 1 – Klassiker am Geroldsee

Bayern bietet viele wunderschöne Fotospots, darunter gefühlt sogar einige der berühmtesten im deutschsprachigen Raum. Bei der Mischung aus Bergen, Seen, Klammen und Wäldern ist einfach für jeden fotografischen Geschmack etwas dabei.

Ich war im Spätsommer im Rahmen eines Fotoworkshops in Bayern unterwegs und habe ein paar der bekanntesten und auch nicht so bekannte Plätze mit meiner Kamera besucht. Den Anfang machte gleich einmal der Geroldsee.

Hütten am Geroldsee

Der See eignet sich wunderbar für Fotos bei Sonnenuntergang. Die Berge werden von der Sonne angestrahlt und dadurch, dass man die Sonne also im Rücken hat, ist der Dynamikumfang etwas leichter handzuhaben als bei einer Gegenlichtaufnahme. Die Hütten und sanften Hügel bilden einen tollen Vordergrund. Man sollte nur darauf achten, früh genug am Spot zu sein, um einen guten Standort zu finden, da der Platz bei Fotografen sehr beliebt ist.

Für das Bild habe ich einen Grauverlaufsfilter genutzt, damit die Wolke und das Gebirge nicht zu stark überbelichtet werden. Unter einem Grauverlaufsfilter kann man sich eine Glasplatte vorstellen (mit den Maßen 100×150 mm), die bis ungefähr zur Hälfte dunkel gefärbt ist. Diese Platte wird dann in den, am Objektiv befestigten Filterhalter geschoben, sodass der dunkel gefärbte Teil den Himmel inklusive der Wolken und Bergspitzen abdeckt.

Dadurch kann der Helligkeitsunterschied zwischen oberem und unterem Bildteil direkt bei der Aufnahme schon möglichst optimal ausgeglichen werden. Es gibt im Unterschied zu den von mir verwendeten Filterplatten auch Schraubfilter, diese sind rund und werden direkt auf das Objektiv geschraubt. Gerade im Fall eines Grauverlaufsfilters machen diese Schraubfilter in meinen Augen keinen Sinn, da es dabei notwendig ist, die Grenzlinie zwischen dunklem und hellem Bereich in Abhängigkeit vom Horizont verschieben zu können.

Durch das verwendete Weitwinkelobjektiv lässt sich die ganze, fast schon kitschig schöne Szenerie gut festhalten. Vor allem wichtig war es mir dabei, dass die Wolke nicht an den Bildrändern abgeschnitten wird und sich somit ein ausgewogener Bildaufbau ergibt.

Spiegelung im Geroldsee

Nicht nur ein Standort von weiter oben erlaubt tolle Aufnahmen, sondern auch direkt am See lassen sich interessante Blickwinkel finden. Die Seerosen machten sich als Vordergrund gut, zusätzlich war es an dem Abend sehr windstill und somit spiegelten sich Wolken und Gebirge wundervoll auf der Wasseroberfläche.

Bei diesem Bild habe ich zusätzlich zum Grauverlaufsfilter auch einen Neutraldichtefilter verwendet. Auch dabei handelt es sich wieder um eine Glasplatte, jedoch sind Neutraldichtefilter komplett dunkel eingefärbt. Wird die Filterplatte in den Filterhalter und somit vor das Objektiv (und auch vor den Kamerasensor) geschoben, schluckt sie im ersten Schritt einfach einmal Licht. Um ein ausgewogen belichtetes Foto zu bekommen, muss also die Belichtungszeit verlängert werden. Eine längere Belichtungszeit bewirkt, dass Gewässer an Struktur verlieren. Genau diesen Effekt wollte ich hier erzielen, denn dadurch kommt die Spiegelung noch besser zur Geltung!

Das Restlicht sollte dann schon wieder für die nächste Standortsuche genutzt werden, denn um diese Jahreszeit kann die Milchstraße bereits weit vor Mitternacht fotografiert werden. Also einen geeigneten Platz für Kamera und Stativ suchen, sich die mitgebrachte Jause schmecken lassen und schon kann es mit dem Fotografieren weitergehen!

Milchstraße für Blogbeitrag

Für die Milchstraße ist ein sehr weitwinkeliges Objektiv optimal, da man damit sowohl einen Vordergrund (Hütten, See, Berge) als auch möglichst viel vom Himmel und damit von der Milchstraße aufs Bild bekommt (ohne ein Panorama erstellen zu müssen). Ich nutze für die Milchstraße deshalb in vielen Fällen nicht mein 16-35mm-Objektiv (obwohl es mein Lieblingsobjektiv ist), sondern eine 14mm-Festbrennweite.

Der zweite Grund für diese Objektivwahl ist die Lichtstärke der Linsen: f2.8 bei der Festbrennweite und f4 beim Zoomobjektiv. Für die Milchstraße gilt: umso lichtstärker umso besser! Bei einer größeren Blendenöffnung kann bei gleicher Belichtungszeit mehr Licht auf den Sensor fallen.

Tag 2 in Bayern – goldenes Licht, Ahornbäume und der Eibsee

Der zweite Tag startete einige Zeit vor Sonnenaufgang – für die Suche nach dem besten Licht muss man auch mal früh aufstehen.

Die Wartezeit am Ufer erwies sich dann als alles andere als langweilig: auf einigen wenigen Pflanzeninseln balancierend, habe ich versucht einen guten Platz für mein Stativ zu finden und zugleich meine Schuhe nicht komplett im Schlamm und Wasser zu versenken. Gerade frühmorgens verlangt einem eine derartige akrobatische Höchstleitung schon jede Menge Konzentration ab. Die Füße wurden trotzdem nass, augezahlt hat es sich aber alle Mal! Eine schönere Morgenstimmung dufte ich im Jahr 2019 nicht viel öfter genießen.

Morgenstimmung für Blogbeitrag

Wieder nutze ich die Seerosen als Vordergrund und wieder gab es aufgrund der Windstille sehr schöne Spiegelungen. Das absolut atemberaubende ist für mich an diesem Bild aber die Lichtstimmung! Die aufgehende Sonne taucht alles, angefangen von den Bergen übers Wasser bis hin zum Nebel, in ein wunderschönes goldenes Licht. Für solche Momente steht man gerne sehr früh auf und auch nasse Schuhe und Socken sind dann völlig nebensächlich.

Nach dieser ersten Fotosession gab es erst mal Frühstück. Der Mittagsspot war eher als Zeitvertreib und Scouting gedacht. Fotografieren um die Mittagszeit herum bringt immer recht hartes Licht und somit auch sehr harte Schatten mit sich – nicht zwingend das Lieblingslicht einer Landschaftsfotografin. Dennoch ist der Große Ahornboden die eher lange Anfahrt auch bei nicht ganz idealen Bedingungen wert – die schiere Anzahl der teils uralten Ahornbäume, umringt von hohen Gipfeln, macht einen schon fast demütig. Unsere Natur ist wirklich wunderschön! Interessanterweise liegt der Große Ahornboden nicht in Bayern, sondern in Österreich – ist aber vor allem über eine Mautstraße von Bayern aus gut erreichbar.

„Trotz“ der hoch stehenden Sonne waren spannende Aufnahmen möglich, den das Geäst bot sich geradezu an, um Sonnensterne zu produzieren. Am einfachsten geht das, wenn man die Sonne direkt an einer Kante (in dem Fall waren das die Baumkronen und die Berge) positioniert und die Blende recht weit schließt (z.B. f16).

Sonnenstern für Blogbeitrag

Auf der Anreise zum Eibsee, an dem Sonnenuntergangsfotos am Programm standen, begann das Wetter bereits sich zu verziehen. Durch eine Langzeitbelichtung ließ sich die Bewegung der Wolken in einem Foto einfangen.

Buckelwiesen für Blogbeitrag

Am Eibsee musste dann die vielleicht bekannteste deutsche Kiefer außerhalb der Sächsischen Schweiz (zumindest ist sie die bekannteste Kiefer in Bayern) gleich einmal auf ein Bild – das Wetter verschlechterte sich zusehends und ich vermutete, dass ich nicht ewig viel Zeit am See haben würde.

Eibsee für Blogbeitrag

Die Kiefer wächst an einer recht steilen Stelle der Uferböschung und man hat wenig Platz, um sich selbst, Kamera und Stativ geschickt zu positionieren. In diesem Fall wäre vermutlich ein Panorma aus zwei Querformaten eine gute Möglichkeit gewesen, um der Zugspitze im Hintergrund etwas mehr Raum nach oben zu geben… leider hab ich daran erst zuhause vorm PC gedacht (wer kennt das nicht ;-)). Da ein immer stärker werdender Wind aufkam, habe ich auch bei diesem Bild einen Neutraldichtefilter (die komplett durchgefärbten Filterplatten) verwendet, um die Belichtungszeit auf einige Sekunden zu verlängern und so die Bewegungen der Seeoberfläche möglichst zu eliminieren.

Eibsee für Blogbeitrag

Bei dieser Aufnahme genügte schon eine Belichtungszeit von 30s, um die Wolken stark verwischen zu lassen, wohingegen die Wasseroberfläche aufgrund der starken Wellen noch immer Struktur aufweist (zum Vergleich: das Bild mit der Kiefer habe ich 6s belichtet und der See zeigte schon fast keine Strukturen mehr). Ein paar Minuten nach dieser Aufnahme war meine ganze Ausrüstung im Rucksack verstaut und ich auf dem Rückweg zum Auto – in der Ferne war bereits Donnergrollen zu hören und der Wind war nun sehr stark.

Das Gewitter schwächte sich zwar rasch wieder etwas ab, Regen und Wind sorgten jedoch dafür, dass gute Fotos nicht mehr wirklich möglich waren – die Lichtstimmung war dafür einmalig! Der ganze Himmel und die Bergkette leuchteten in einem intensiven rot/orange, deshalb konnte ich die Kamera auch nicht ganz eingepackt lassen und musste zumindest eine Aufnahme zu Dokumentationszwecken machen. Das entstandene Bild habe ich in einem eigenen Blogbeitrag bereits vorgestellt.

An diesem Abend war es das dann mit der Fotografie, der Himmel war zu stark bewölkt, um die Milchstraße zu fotografieren. Deshalb blieb nicht mehr viel übrig als sich ein Abendessen schmecken zu lassen.

Tag 3 – Wasserfälle in Bayern

Am dritten Tag stand eine Klamm in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen am Programm. Klammen, Schluchten und Wasserfälle gehören zu meinen absoluten Lieblingsmotiven und auch hier in Bayern sollte ich nicht enttäuscht werden!

Ich habe es auch in anderen Blogbeiträgen bereits erwähnt – der wichtigste Begleiter (neben Kamera und Stativ) ist für mich in einer Klamm der Polarisationsfilter. Damit gelingt es, störende Reflexionen zu vermindern und oft genügt die leicht verlängerte Belichtungszeit (auch ein Polfilter schluckt Licht) bereits, um schöne Fließeffekte zu erzeugen.

Kuhfluchtfälle für Blogbeitrag

Bei diesem Bild habe ich zusätzlich zum Polarisationsfilter noch den Neutraldichtefilter verwendet, da ich den Wasserfall sehr weich zeichnen wollte. Durch die Verwendung beider Filter war eine Belichtungszeit von 10s möglich. Die Strukturen im Wasser verwischen dann schon stark und es wirkt beinahe seidig.

Noch stärker kommt dieser Effekt hier zu tragen, obwohl die Belichtungszeit mit 5s wesentlich kürzer ist. Da merkt man, dass auch die Wassermenge einen starken Einfluss auf die Wirkung im Bild hat! Aufgrund der vielen Steine wurde der Bachlauf an dieser Stelle recht schmal und viel Wasser musste durch diesen „Flaschenhals“ durch.

Kuhfluchtfälle für Blogbeitrag

Übrigends spielt auch das Wetter eine große Rolle, wenn man in einer Klamm unterwegs ist: im Optimalfall ist es stark bewölkt. Das hat mehrere Vorteile:

  • Es sind weniger Menschen unterwegs – das klingt jetzt wesentlich weniger nett als ich es meine! Aber gerade in Klammen und Schluchten ist das Platzangebot sowieso schon beschränkt, vor allem, wenn der Durchstieg auch nur auf Stegen möglich ist. Baut man als Fotograf dann sein Stativ auf, kann man sich sehr sicher sein, dass man früher oder später irgendwem im Weg steht. Gerade beim Fotografieren von Holzstegen aus darf man auch nicht vergessen, dass diese oft stark vibrieren, wenn jemand darüber geht – Langzeitbelichtungen werden dann fast unmöglich. Schlechtes Wetter macht das Fotografieren in Klammen also schon einmal zu einer wesentlich entspannteren Sache.
  • Auch ohne Filter sind längere Belichtungszeiten notwendig, oft genügt dann ein zusätzlicher Polarisationsfilter und man braucht gar keinen Neutraldichtefilter mehr.
  • Die Helligkeitsunterschiede sind nicht so groß, das Licht ist diffuser und es gibt somit keine harten Schatten und auch keine sehr hellen Bereiche – all das macht es einfacher die Belichtung optimal einzustellen. Gerade, wenn die Sonne auf abgegrenzte Bereiche im Bach scheint, kann man sich fast sicher sein, dass es überbelichtete Stellen geben wird. Das kann man zwar in der Nachbearbeitung meist noch „retten“, aber es bedeutet einen Mehraufwand.
  • Man hat auch bei schlechterem Wetter einen Grund rauszugehen und die Natur zu genießen!

Alle diese Punkte sprechen für mich klar dafür, Klammen und Schluchten vor allem an bewölkten Tagen zu besuchen. Sogar leichter Regen ist ok, die Natur wirkt dann oft noch frischer! (Bitte gebt dann aber gut auf eure Ausrüstung acht! Nicht jede Kamera und auch nicht jedes Objektiv verkraften es, nass zu werden.)

Auch bei meinem Besuch in dieser Klamm war der Vormittag bewölkt und somit waren auch die Wetterbedingungen ideal. Als es dann zu Mittag anfing aufzuklaren, habe ich mich auf den Rückweg zum Hotel und dann nachhause gemacht.

In diesem drei Tagen konnte ich nur einen kleinen Teil Fotolandschaft in Bayern – da ist ganz klar, dass mich diese Gegend sicher wiedersieht! Denn es gibt in Bayern sowohl weitere, neue Orte, die ich gerne mit der Kamera erkunden würde, als auch Plätze, die ich gerne noch ein weiteres Mal besuchen möchte.

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