Winterwunderland: für 1 Tag zurück in den Winter

Winterwunderland: für 1 Tag zurück in den Winter

Vor ein paar Wochen habe ich noch voller Zuversicht mit einer Freundin das Wetter in den kommenden Wochen besprochen: „Der Winter ist vorbei, Schnee kommt bei uns keiner mehr und die Wandersaison kann richtig losgehen.“ (Unser meteorologisches Können war zu diesem Zeitpunkt vermutlich vor allem davon geblendet, dass wir an besagtem Nachmittag in kurzen Hosen und bei angenehmen Temperaturen auf einem Berggipfel die Sonne genossen haben.) Tja, falsch gedacht – der Winter kam doch nochmal zurück und für einen Tag hatte ich hier direkt vor der Haustür ein wirkliches Winterwunderland.

Wetterlage und Winterlandschaft

Du stellst dir jetzt sicher die Frage: „Naja, und was meint sie mit Winterwunderland genau?“ Es hatte in dieser Woche von Freitag auf Samstag durchgehend geschneit (klar, die Wochentage sind natürlich für die Fotos egal, aber so bist du mittendrin statt nur dabei ;)).. In Summe sicher 20-30 cm, wobei es dabei relativ warm war.

Es war also ziemlich nasser, schwerer Schnee, der sich gut auf den Bäumen gesammelt hat und dort auch liegen geblieben ist. Winterwunderland heißt für mich also, dass alle Bäume bei uns in der Gegend einen wunderschönen, winterlichen Schneemantel abbekommen haben. Außerdem lag auch auf den Feldern und Wiesen eine durchgehende Schneedecke. Alles war weiß und der Winter war wieder da.

Zusätzlich gab es am Samstag eigentlich nur wenig bis gar keinen Wind, der den Schnee von den Bäumen geweht hätte. Da es aber eben recht warm war (leichte Plusgrade), war klar, dass sich diese Bedingungen trotzdem nicht lange halten würden.

Wird der Schnee zu warm, schmilzt und fällt er von den Bäumen und dann schaut das ganze einfach schon gar nicht mehr so nach Winter aus. Sondern irgendwie ein bisschen traurig – finde ich zumindest immer. Die Landschaft ist dann meist auch nur mehr teilweise schneebedeckt, es schaut braun-grüne Wiese und Erde raus, die Bäume sind nackt… das ist so gar nicht meine Jahreszeit, dieses Zwischending aus Winter und Frühling. Aber so war es am Samstag nicht, es war ein perfekter Wintertag!

Motivsuche im Winter

Ich habe also recht zeitig meinen Fotorucksack gepackt und bin losgezogen, um meine Fotos zu bekommen, bevor der Schnee weggeschmolzen ist. Schon am Vorabend habe ich mir überlegt, was ich gerne fotografieren möchte: die schneebedeckten Bäume. Solche Winter-Bedingungen gibt es bei uns im Ort nicht oft, deshalb wollte ich das festhalten und bei mir vor der Haustür fotografieren.

Unseren „Gemeindewald“ kenne ich recht gut, seit ich letztes Jahr im März und April viele viele Stunden dort verbracht und Frühblüher fotografiert habe (auch im März übrigens… Frühling, wo bist du?). Es ist ein kleiner Mischwald und besteht hauptsächlich aus Fichten und verschiedenen Laubbäumen. Im Wald selber gibt’s leider nicht sehr viele fotogene Stellen, zumindest nicht für „Waldfotografie“. (Bei den Frühblühern schaut’s ganz anders aus, da gibt’s dort viele tolle Platzerl!) Deshalb war mein Plan, den Wald „von draußen“ zu fotografieren.

Die Lichtstimmung an sich war eigentlich ziemlich „fad“. Der Himmel war bewölkt, teilweise brach die Sonne immer wieder durch. Für meine geplanten Fotos passte das aber ganz ideal! Denn durch das homogene, diffuse Licht konnte ich die Bilder überbelichten, ohne dass die Lichter sofort ausrissen. Warum es oft sinnvoll und vielleicht sogar notwendig ist, im Winter heller zu belichten, als die Kamera dir das vorschlägt, erkläre ich hier ausführlicher.

Der erste Spot: die winterliche „Waldwand“

Für die ersten Aufnahmen habe ich einen leicht erhöhten Platz gesucht, von welchem aus ein frontaler Blick auf die Bäume gegeben war. Dadurch, dass der Wald auf einem Hügel steht (also die Höhe der Bäume scheinbar noch oben hin ansteigt), entstand der Eindruck eine „Wand aus Bäumen“ zu fotografieren. Außerdem gelang es durch meine eigene Position auf einem Hügel, die gegenüberliegenden Bäume komplett aufs Foto zu bekommen und nicht oben oder unten ein Stück abschneiden zu müssen.

Für die Aufnahme habe ich eine leichte Telebrennweite (ca. 100mm) genutzt. So konnte ich einen Überblick der Szene zeigen und mich dennoch aufs Wesentliche (also auf den Wald) konzentrieren. Hätte ich zu einer kürzeren Brennweite gegriffen, wäre zu viel „Rundherum“ mit am Foto gewesen (in dem Fall: Felder und Himmel). Außerdem habe ich ja nicht wahllos in Richtung Wald fotografiert, sondern mich bewusst für diesen Ausschnitt entschieden. Mit einem weitwinkeligeren Objektiv wäre das nicht so gut möglich gewesen.

Danach habe ich zu einem etwas längeren Teleobjektiv (135mm) gegriffen, um einen Teil des Waldes noch detaillierter aufzunehmen. Durch die längere Brennweite wird das Bild noch etwas stärker „komprimiert“ und der gewünschte Eindruck der „Waldwand“ wird gesteigert.

Der zweite Spot: am Waldrand

Ich hatte schon länger geplant, ein Foto des Waldrands zu machen. Die geschwungene Linie, in welcher er verläuft, finde ich ziemlich ansprechend. Bisher haben aber die passenden Bedingungen gefehlt. Im Frühling und Herbst ist alles verwachsen und grün, da fehlt dann einfach der notwendige Kontrast. Im Sommer steht auf den Feldern oft Mais (da ist’s mit der Aussicht dann sowieso etwas mau, das fällt unter die Kategorie „den Wald vor lauter Mais nicht sehen“) und wenn im Winter den Schnee auf den Bäumen fehlt, schaut’s auch nicht so gut aus. Dieses Mal hat jedoch alles gepasst!

Dieses Foto hat wesentlich mehr Tiefe und Dynamik als die vorherigen Aufnahmen (da war das aber auch nicht gewünscht). Das kommt sowohl durch den Verlauf des Waldrands an sich als auch durch die Staffelung der Bäume zustande. Den ersten Schwung nach hinten macht die gedachte Linie entlang des Waldes ca. bei der ersten Drittellinie, das wirkt auf den Betracht harmonisch und zieht ihn nochmal zusätzlich ins Bild hinein.

Der dritte Spot: Landschaftsdetails im Winter

Diese erste Biegung fand ich besonders spannend und fotogen, deshalb habe ich mich entschieden hier noch weitere Details der Winterlandschafts aufzunehmen. Ich habe wieder zum 135mm-Teleobjektiv gewechselt und mich für die Bäume direkt an der Kurve als Hauptmotiv entschieden. Die dunklen Stämme bilden einen schönen Kontrast zum winterlichen Weiß.

Der Vordergrund der Fotos ist leer und ebenso schneebedeckt. Wäre auch hier noch etwas zu sehen, dann würde das Bild vermutlich überladen wirken, denn der Wald im Hintergrund macht das, was Wald auf Fotos nun mal gerne macht: er ist chaotisch. (Darum ist „Waldfotografie“ auch das vermutlich gefürchtetste Genre unter den Landschaftsfotografen ;-)). Bei der Aufnahme wird das Chaos auch durch das Fehlen von Farben etwas gebändigt, der Betrachter muss sich nicht darauf auch noch konzentrieren.

Neben dem Waldrand hat auch der Kontrast zwischen „winter-weißen“ Laubbäumen und den dunkleren Nadelhölzern meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Für ein paar wenige Momente hat dann auch noch die Sonne die Baumspitzen leicht angestrahlt, was eine sehr schöne Lichtstimmung erzeugt hat. Auch bei diesen Aufnahmen habe ich wieder auf die Telebrennweite gesetzt, um den gewünschten Ausschnitt in Szene zu setzen.

War’s das nun mit dem Winter?

Im heurigen Winter hatte ich einige Möglichkeiten interessante Fotos aufzunehmen und auch mal ein paar (für mich) neue Dinge auszuprobieren.

Dazu gehört sicherlich vor allem, dass ich entdeckt habe, was für spannende Landschaftsaufnahmen eigentlich auch mit Telebrennweiten möglich sind. Außerdem habe ich versucht, meine Bilder eher minimalistisch zu halten. Das zieht sich auch durch diese Reihe: beinahe keine Farben (ich persönlich finde derzeit diese natürliche Möglichkeit von Schwarzweiß-Fotos ansprechender als nachträglich konvertierte) und die Konzentration auf ein Hauptmotiv. In dem Fall war halt der Wald und nicht ein einzelner Baum mein Motiv.

Schön langsam habe ich aber genug vom Winter und freue mich schon auf wärmere Tage, frisches Grün, Frühblüher und den Start der Wandersaison. In dem Sinne: hoffentlich hattest du Freude an meinen Winterimpressionen und jetzt gibt’s hier bis in den November oder Dezember 2021 keine Blogbeiträge mit dem Thema Winter mehr. 😉

This Post Has 2 Comments

  1. Liebe Nadine!
    Wundervolle Serie…… ich habe solche Bilder auch sehr gerne. Aber nichts desto trotz freu ich mich auch schon auf den Frühling. Liebe Grüße, Brigitte
    Falls es dich interessiert schicke ich dir meine Webseite mit…..

    1. Hallo Brigitte, vielen Dank für dein liebes Kommentar! Ich freue mich jetzt auch schon auf den Frühling. Deine Homepage sehe ich mir immer mal wieder gerne an. 🙂 Z.B. die Bildserie über die Farne finde ich extrem gelungen! Liebe Grüße, Nadine

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