In den Bergen: Obersulzbachtal

In den Bergen: Obersulzbachtal
Milchstraße

Im August war ich gemeinsam mit anderen Fotografiebegeisterten im Nationalpark Hohe Tauern unterwegs, genauer: im Obersulzbachtal. Ein ganzes Wochenende stand das Fotografieren im Mittelpunkt. Gemeinsame Wanderaktivitäten, nette Abende und Gespräche kamen aber auch nicht zu kurz. Organisiert wurde das ganze vom Verein für Tier- und Naturfotografie (kurz: VTNÖ), bei dem ich Mitglied bin, in direkter Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Hohe Tauern. Solche „Regionaltreffen“ finden in regelmäßigen Abständen in den unterschiedlichsten Gegenden Österreichs statt und bieten eine großartige Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen, deren große Leidenschaft ebenfalls die Fotografie ist oder bereits bekannte Gesichter wiederzutreffen.

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Das Obersulzbachtal.

Die Anreise zur Hofrat-Keller-Hütte, einer Selbstversorgerhütte, die sich im Besitz des Nationalparks befindet und für das drei Tage andauernde Treffen unsere Unterkunft war, erwies sich dank Hüttentaxi als recht unbeschwerlich. Zu Fuß, schwer bepackt mit Fotoausrüstung, Kleidung, Hüttenschlafsack und Co. (… das macht über 10kg Rucksackgewicht), hätte die Sache gleich ganz anders, soll heißen, wesentlich unentspannter ausgesehen.

Aufgrund meiner verspäteten Anreise am frühen Freitagabend (die anderen waren bereits vormittags eingetroffen), war ich die erstmal alleine im Tal unterwegs und versuchte ein Gefühl für die Gegend zu finden. Durchzogen vom Obersulzbach, der sich vor allem aus Gletscherwasser speist und in den Sommermonaten somit die größten Wassermengen führt, liegt das Tal inmitten einiger Drei- und Zweitausender. Eindeutig ein Eldorado für Natur- und Landschaftsfotografen!

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Hier würde vor allem mein Weitwinkelobjektiv zum Einsatz kommen, das war mir relativ schnell klar. Es deckt einen Brennweitenbereich von 16-35mm ab und war somit die ideale Wahl, um diese wunderschöne Landschaft aus verschiedenen Perspektiven festzuhalten. Gerade im Weitwinkelbereich spielt der Bildaufbau eine große Rolle: klassischerweise gegliedert in Vorder- Mittel- und Hintergrund. Die Schotterstraße, welche durchs Tal führt, bot sich als idealer Vordergrund an. Zugleich stellt sie eine „führende Linie“ dar, an welcher der Blick ins Bild hineingezogen wird. Mittelteil und Hintergrund wurden von der beeindruckenden Bergkulisse gebildet.

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Als ich wieder bei „unserer“ Hütte ankam, waren auch die anderen von ihrer ersten Tour durchs Gelände wieder zurück und gemeinsam wurde das Abendessen zubereitet. Natürlich ging es nach dem Essen nicht ab ins Bett – wir waren schließlich zum Fotografieren da! Der Nachthimmel war großteils wolkenfrei und der Mond verschwand gegen 22 Uhr hinter einer der Bergketten: es stand also Milchstraßenfotografie am Plan. In diesem Bereich der Fotografie fehlen mir bisher die Erfahrungswerte, was aber kein Problem war – schließlich waren genug andere, erfahrene Fotografen vor Ort, die mir Tipps geben konnten. Sämtliche Nachtfotos habe ich mit einem manuellen Objektiv aufgenommen: einer 14mm-Festbrennweite mit maximaler Blendenöffnung von f2.8. Bei der Nachtfotografie kommt es stark darauf an, dass viel Licht auf den Sensor fällt (schließlich will man ja am Bild dann nicht nur eine schwarze Fläche haben…). Das heißt, die Blende sollte möglichst weit geöffnet sein, der ISO-Wert muss wesentlich höher sein als man das vielleicht vom Tag gewohnt ist (ich habe mit ISO 2000 gestartet) und die Belichtungszeit darf nicht zu kurz gewählt werden. Jedoch auch nicht zu lange! Als Faustregel gilt, dass ab einer Belichtungszeit von über 30s die Sterne beginnen „zu ziehen“. Darunter leidet die Bildschärfe, weil Sterne dann eher oval und nicht punktförmig abgebildet werden.

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Sternenhimmel im NP Hohe Tauern. 20s belichtet bei Blende 2.8 und ISO 2000. Der Mond strahlt die Bergflanke im Hintergrund an.
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Die Milchstraße – auch in der Nacht gilt „Vordergrund macht Bild gesund“. 20s bei Blende 2.8 und ISO 3200.

Am nächsten Tag stand eine Wanderung zum Seebachsee am Programm. Wir wurden das ganze Wochenende über von einem Ranger des Nationalparks begleitet, der dafür sorgte, dass bei den Wanderungen keiner verloren ging, uns die besten Ausblicke zeigte und sich auch um das ganze „Rundherum“ kümmerte. (Quasi „All Inclusive“ in der Selbstversorgerhütte – nicht selbstverständlich und wirklich toll organisiert!) Der Seebachsee liegt auf über 2000m, uns stand also ein langer Fußmarsch bevor. Natürlich inklusive einiger Kilo am Rücken, die Fotoausrüstung musste schließlich mit.

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Angekommen am Ziel, war sofort klar, dass der Aufstieg sich gelohnt hatte – umrahmt von wolkenverhangenen Bergen und einer Farbe, wie man sie eher vom karibischen Meer erwarten würde, bot der Seebachsee einen wundervollen Anblick. An seinen Ufern waren noch letzte Überbleibsel des Almrauschs zu sehen, da waren wir leider ein paar Wochen zu spät dran.

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Aufgrund eines Wetterumschwungs (Nieselregen und Nebel) ließen wir den Tag dann bei einem guten Abendessen und nettem Zusammensein ausklingen. Die Kameras blieben eingepackt. Auch am nächsten Morgen erwartete uns wieder Nebel, viel Nebel. Die Stimmung war somit ganz anders als die Tage zuvor und generell gilt ja: Nebel macht sowieso alles spannender.

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Wegweiser vor der Hofrat-Keller-Hütte.

An diesem Vormittag habe ich auch meine ersten Murmeltiere in freier Wildbahn beobachtet! Es blieb aber auch beim Beobachten, den für richtige Wildlife-Fotografie fehlt mir die passende Ausrüstung (mit Brennweiten unter zumindest 400mm ist man hier in vielen Fällen eher schlecht dran). Gefreut habe ich mich trotzdem – mich fotografisch dann aber auf die Landschaft und den Nebel konzentriert. Um hier kleinere Ausschnitte der Landschaft aufnehmen zu können und somit das interessante Wechselspiel zwischen Felsen, Bäumen und Nebel in den Fokus zu setzen, habe ich anstatt des Weitwinkels ein Teleobjektiv (70-200mm) verwendet.

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Nebelwand
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Noch mehr Nebel.

Zur Mittagszeit ging es für mich mit dem Hüttentaxi dann wieder raus aus dem Tal in Richtung Auto und ab nach Hause. Das war mein zweites Regionaltreffen (ich bin dem VTNÖ erst in diesem Jahr beigetreten), aber sicher nicht das letzte – eher werden sich die Treffen zu (kleinen) Highlights in meinem Fotojahr entwickeln! Auch der Gegend im Obersulzbachtal werde ich eventuell nochmal einen Besuch abstatten, dann vielleicht zur Zeit des Almrauschs.

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