Am Almsee: Landschaftsfotografie in den 4 Jahreszeiten

Am Almsee: Landschaftsfotografie in den 4 Jahreszeiten

Das Salzkammergut hat einige Schätze zu bieten, einer davon ist der wunderschöne Almsee. Der See liegt nicht allzuweit von mir zu Hause entfernt und deshalb besuche ich ihn recht regelmäßig mit der Kamera. Im vergangenen Jahr und auch heuer entstanden dadurch in allen 4 Jahreszeiten Bilder, die ich dir gerne vorstellen möchte!

Der Almsee, ein fotografischer Überblick

Der Almsee liegt eingekesselt von einer imposanten Gebirgskulisse im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts. Der See sowie die umliegende Gegend stehen unter Naturschutz – schwimmen, tauchen und andere Wassersportarten sind somit (zumindest einen Teil des Jahres) verboten. Das macht den Almsee zwar nicht unbedingt zum Dorado für Actionsuchende, der geneigte Landschafts- und Naturfotograf findet in der reichen Fauna und Flora aber immer spannende Motive! (Und ich bin ehrlicherweise auch gar nicht böse, wenn ich beim Fotografieren eher meine Ruhe habe. :-))

Neben der wunderschönen Landschaft bietet der See auch eine interessante Tierwelt! Schon Konrad Lorenz hat hier am Verhalten von Gänsen geforscht und mit etwas Glück trifft man auch auf die Waldrappen-Schar, die im Almtal angesiedelt wurde. Aber genug davon, jetzt kommen wir zu den Bildern (naja – ein bisschen Lesen musst du schon noch…).

Frühling am Almsee

Egal wo, der Frühling ist immer eine großartige Zeit! Es wird wärmer, die Natur erwacht, alles wird grün und bunt. Am Almsee dauert das alles manchmal ein wenig länger, zumindest empfinde ich das so. Der See liegt zwar nicht sehr hoch (nicht ganz 600m über dem Meeresspiegel), aber vielleicht tragen die umliegenden Berge und das immerzu ziemlich kalten Wasser ihren Teil zum eigenen Mikroklima bei. 😉 (Bitte nicht zu ernst nehmen, gefühlt ist es nur einfach so, dass Pflanzen, die „draußen“ z.B. schon blühen das im Almtal noch nicht zingend tun.)

Das Seeufer ist von Bäumen gesäumt, hat man als Fotograf also genug von den Bergen und vom Wasser, dann sind es nur paar Schritte hin zur Waldfotografie. Für mich ist das Fotografieren im Wald eine der anspruchsvollsten Disziplinen in der Landschaftsfotografie. Ein Wald wirkt sehr schnell unordentlich und chaotisch, das Auge springt im Bild hin und her und der Betrachter „sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“ (das musste jetzt sein, den Spruch hat vermutlich ein Fotograf geprägt).

Der Almsee bietet teilweise relativ lichte Laubwälder, das macht die Sache dann wieder etwas einfacher, da der Fokus auf einem oder einigen wenigen Bäumen liegen kann. Ich hatte bei diesem Besuch dann auch noch das Glück, einen nebligen Tag zu erwischen! Nebel erzeugt sehr diffuses Licht, da das Sonnenlicht stark gestreut wird – es gibt im Wald keine harten Schatten und die Belichtung ist recht gleichmäßig.

Natürlich fährst auch du nicht an einen tollen See, umrahmt von den Kalkalpen, um dann nur im Wald zu fotografieren (aber wie gesagt: ist eine interessante Abwechslung, also beim nächsten See einfach mal schauen, was es drumherum noch so gibt) – mache ich auch nicht! Denn quasi direkt am Nordende des Almsee schließt das Tote Gebirge an und das Panorama, das sich bietet, ist großartig!

Ich bin ja ein großer Fan des Hochformats, vielleicht gerade, weil es nicht so sehr mit Landschaften in Verbindung gebracht wird wie das Querformat. Zwischen diesen beiden Bildern liegt nur ungefähr eine Stunde, die Bildwirkung ist aber jeweils eine ganz andere!

Trotz meiner Liebe fürs Hochformat bietet sich in der Landschaftsfotografie natürlich oft ein Querformat ideal an. Auch viele Perspektiven am Almsee verlangen quasi danach. 😉

Die Wurzeln habe ich bei dem vorherigen Bild als Vordergrund genutzt, da ich die Strukturen spannend fand. Und den Rest machen der Almsee, die leuchtenden Berge und die paar Nebelfetzen (und sogar der Mond ist noch mit drauf) – mehr braucht es nicht um das Landschaftsfotografenherz hochschlagen zu lassen.

Die Sache mit dem Weitwinkel

Das Bild ist ein „Fokus-Stacking„, das bedeutet, dass es eigentlich aus 2 Bildern besteht: eines für den Vordergrund und eines für den Hintergrund. Die Bilder werden dann am PC zu einem zusammengerechnet. Diese Technik habe ich eingesetzt, damit das Foto von vorne bis hinten scharf wird. Ich habe ein recht weitwinkeliges Objektiv (Brennweite 20mm) verwendet und war vor allem auch sehr nahe an den Wurzeln dran. Ohne die Stacking-Technik wäre es mir nicht gelungen den durchgehend scharfen Bildeindruck zu erzeugen.

Von einem Weitwinkel spricht man grob gesagt bei jedem Objektiv, das einen weiteren Blickwinkel zulässt als das menschliche Auge – also alles mit Brennweiten unter 40mm (bei einer Vollformatkamera), da der Bereich zwischen 40 und 50mm bereits unserem normalen Seheindruck recht nahekommt.

Das klingt also erstmal ziemlich spannend (ist es auch!), durch den großen Bildwinkel bekommt man ziemlich viel aufs Foto. Und leider ist auch genau das die Krux an der Sache! Denn viel am Foto kann auch dazu führen, dass nichts den Betrachter so richtig ins Bild zieht. Deshalb ist es nicht schlecht die alte Fotografenweisheit „Vordergrund macht Bild gesund“ im Hinterkopf zu behalten. Gerade in der Arbeit mit einem Weitwinkelobjektiv ist der Spruch oft Gold wert.

Hast du nun einen interessanten Vordergrund gefunden (so wie ich die Wurzeln am Almsee), dann kommt die nächste coole Eigenschaft vieler Weitwinkelobjektive zu tragen: du kannst oft ziemlich nah an den Vordergrund ran! Viele dieser Objektive haben eine kleine Naheinstellgrenze, meines beispielsweise eine von 28cm. Das heißt ich kann bis maximal 28cm (ab dem Sensor gemessen) an ein Objekt ran und dabei noch scharf stellen.

Bist du so nahe am Vordergrund dran, wirken selbst ein paar eher mickrige Wurzeln als hätten sie den Durchmesser eines Bodybuilder-Oberarms. Nur kommt jetzt der gemeine Teil: reizt du nun die Naheinstellgrenze voll aus und fokussierst auf deinen super nahen Vordergrund, genügt die Tiefenschärfe in vielen Fällen nicht, um alles im Bild (von vorne bis hinten) scharf abzubilden. Da kommt dann das „Fokus-Stacking“ ins Spiel und durch die Kombination von (zumindest) zwei Aufnahmen kommt trotzdem noch das gewünschte scharfe Bild raus.

Nochmal kurz zusammengefasst:

  • Weitwinkelobjektive haben eine Brennweite von unter 40 Millimetern (grobe Einteilung) und somit einen weiteren Bildwinkel als unser menschliches Auge. Du bekommst also viel aufs Foto drauf.
  • Viele dieser Objektive haben eine kleine Naheinstellgrenze, du kannst also nah an etwas ran und trotzdem noch scharfstellen. Das gewählte Vordergrundmotiv wirkt ziemlich dominant.
  • Bist du sehr nahe an einem Motiv dran, dann genügt oft die Tiefenschärfe nicht für ein durchgehend scharfes Fotos.
  • Fokus-Stacking“ – also das Zusammenrechnen mehrerer Bilder zu einem mit Hilfe eines Computerprogramms, ist eine Möglichkeit, um trotzdem ein scharfes Bild zu erhalten.

Sommer am Almsee

Auch im Sommer bleibt das Wasser des Almsee recht frisch, viel wärmer als 15° Celsius wird es eigentlich nie. Recht kälteempfindlich darf man also nicht sein, wenn man für den optimalen Stativ-Standpunkt mal mit den Füßen ins Wasser muss. Dafür bleibt der See vom Badetourismus verschont, zum einen liegt er ja im Naturschutzgebiet und zum anderen ist er halt einfach kalt. Wer Ruhe sucht, wird also auch im Sommer fündig.

Wolkenlose Sommerabende bieten gute Voraussetzungen fürs Fotografieren von Alpenglühen. Das Licht nimmt aufgrund des flachen Einfallwinkels einen recht langen Weg durch die Atmosphäre und ein großer Anteil des blauen Lichts wird gestreut. Das verbleibende Licht, das die Gipfel erreicht, erscheint dadurch sehr orange bis rot.

Durch die lange Belichtungszeit von über 2 min, die ich durch die Nutzung eines Neutraldichtefilters erreichen konnte, wirkt das Wasser ziemlich glatt und die Spiegelung kommt besser heraus. Zusätzlich hatte ich auch noch einen Grauverlaufsfilter „vor der Linse“, um den Helligkeitsunterschied zwischen den Bergen&Himmel und dem Wald etwas auszugleichen.

Auch für dieses Bild habe ich ein Weitwinkelobjektiv genutzt, in diesem Fall gibt es aber keinen markanten Vordergrund, ich wollte die gesamte Szene inklusive der tollen Spiegelung einfangen.

Eine kurze Wanderung auf den direkt am Almsee liegenden Ameisstein bietet eine ganz andere Perspektive. Der See liegt einem quasi zu Füßen und das Tote Gebirge wirkt nicht minder imposant wie „von unten“.

Herbst am Almsee

Der Herbst ist wahrscheinlich die Lieblings-Jahreszeit (neben dem Frühling) vieler Landschaftsfotografen – auch mir geht es da nicht anders. Das Licht ist morgens und abends lange recht weich und „golden“. Dazu die wundervoll gefärbten Bäume, oft gibts Nebel – Fotografieren im Herbst ist einfach großartig! Das ist am Almsee natürlich nicht anders.

Im letzten Herbst war es regelmäßig so, dass ich zum See gefahren bin und mich dort in einer „Nebelsuppe“ wiedergefunden habe, auch wenn der Wetterbericht das so nicht ganz so vorhergesagt hat. Nebel ist eine tolle Sache und schafft ganz eigene Stimmungen (aber wenn er gar nicht weggehen will und man nicht damit rechnet… naja, kann man es auch nicht ändern – auch wenn man vielleicht möchte 😉 und wochenlanger Hochnebel ist auch nicht mein Lieblingswetter). Landschaften wirken im Nebel oft ganz anders – ein ungeliebtes Gebäude im Hintergrund verschwindet, das Licht ist ganz weich und diffus, Kontraste werden abgeschwächt. Deshalb mein Tipp: unbedingt raus gehen, wenn der Wetterbericht Nebel vorhersagt, da kommt eigentlich immer etwas Spannendes raus!

Wenn der Sonnenaufgang den Nebel komplett rose einfärbt und du mittendrin stehst – das sind Momente, die du nicht so schnell vergisst und für die es sich lohnt, um 5 Uhr morgens oder früher aus dem Bett zu klettern!

Auch bei den folgenden Bildern habe ich die Spiegelungen der Berge und Bäume wieder in die Bildkomposition eingebaut – da habe ich einfach ein kleines Faible dafür: Spiegelungen sind toll! In beiden Bildern sind die Reflexionen aber nicht „perfekt“, sondern werden durch die Blätter, die am Wasser schwimmen oder auch die Schwäne gestört. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, sondern es schafft eine gewisse Spannung und auch eine Tiefenwirkung, welche die Fotos bei einer 100% idealen Spiegelung vermutlich nicht hätten.

Winter am Almsee

Fotografieren im Winter finde ich gar nicht so einfach, leider gibt es bei uns oft keine richtige Winterlandschaft, sondern alles ist einfach nur grau in grau. Sobald dann Schnee liegt, ändert sich die Sache! Mit dem Schnee verhält es sich dann ähnlich wie mit dem Nebel, er verändert die Wirkung einer Landschaft, vom Winterwonderland bis hin zur unwirtlichen Bergwelt ist da alles drin.

Der Almsee bietet sich auch im Winter für einen Fotoausflug an, zumindest so lange die Schneemengen nicht zu groß werden. Denn der Rundweg wird im Winter nicht geräumt, die Straße ins Almtal hingegen natürlich schon.

Auch bei diesen Bildern habe wieder etwas länger (5-10s) belichtet, damit das Wasser glatter wirkt und eine leichte Dynamik in den Wolken ersichtlich wird. Bei schnell ziehenden Wolken genügen oft schon 10-30s um die Bewegung einzufangen.

Durch das verwendete Weitwinkelobjektiv (Brennweite 24mm) konnte ich die komplette Szene auf den Sensor bannen. Vor allem der Himmel war mir dabei wichtig, denn die Stimmung in den Wolken würde ich schon beinahe als dramatisch bezeichnen! Deshalb habe ich dem oberen Bildteil auch wesentlich mehr Platz zugesprochen und dem See selbst nur recht wenig im Foto eingeräumt. Mit der Gewichtung wie viel Anteil der obere Bildbereich (Himmel, Berge, etc.) oder der untere Teil bekommt, kannst du eine Bildaussage verstärken und Spannung erzeugen! Tut sich in einem Bereich nicht viel (so wie bei meinen Bildern beim Wasser), dann muss auch nicht viel davon aufs Foto.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter…

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz und der Almsee zeigt sich immer wieder von einer anderen Seite! Für mich ist dieser wunderschöne See einer meiner liebsten Fotospots in Österreich und es wird mich sicher auch heuer noch einige Mal hinverschlagen.

Weitere und auch immer wieder aktuelle Bilder vom Almsee finden sich in meiner Galerie.

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