Im Soča-Tal: goldener Herbst und wilde Wasser. 3 Tage unterwegs in Slowenien.

Im Soča-Tal: goldener Herbst und wilde Wasser. 3 Tage unterwegs in Slowenien.

Slowenien ist in aller Munde – zumindest unter Landschaftsfotografen. Denn das südliche Nachbarland Österreichs hat alles zu bieten, was das Fotografenherz begehrt: Bäche, Flüsse, Klammen, Berge und Wälder. Ich konnte auch nicht widerstehen und habe mich im heurigen Herbst ein Wochenende lang aufgemacht, um das Soča-Tal genauer zu erkunden.

Das Soča-Tal: der „Place-to-be“ für Landschaftsfotografen

Bekannt ist das Soča-Tal vor allem für die unzähligen Möglichkeiten im und am Wasser zu fotografieren. Hier tut sich natürlich ganz besonders das blitzblaue Wasser des namensgebenden Flusses (genau – ihr habt es erraten, der trägt den Namen „Soča“) hervor.

Von Freitag bis Sonntag war also das nasse Element tonangebend und ich (sowie die weiteren Mitglieder unserer kleinen Gruppe – mein Ausflug fand im Rahmen eines Workshops mit Arnold Schaffer statt) die meiste Zeit in Gummistiefeln unterwegs.

Erster Teil: Bachlandschaften und Wasserfälle im Soča-Tal

Ausgangspunkt für dieses Wochenende war der Ort Bovec und die erste Location einer der vielen kleinen Bäche direkt in dessen Umgebung. Wald, Moos und Wasser boten unzählige Motive und so war ich den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, dass weder die Kamera noch ich oder die Filter sich am Grund des Gewässers wiederfinden. Da der Nachmittag schon fortgeschritten war, genügte ein Polarisationsfilter, um die Belichtungszeiten soweit zu verlängern, dass schöne Fließeffekte entstanden, ohne die Strukturen im Wasser völlig zu verlieren.

Zusätzlich verstärkt ein Polfilter die Grüntöne und sorgt damit für ein farbintensiveres Bild. Für mich ist er deshalb neben der Kamera eines der wichtigsten Utensilien beim Fotografieren an Bächen oder in Klammen.

Als es dann zu dunkel zum Fotografieren wurde, ging es zurück nach Bovec und dort in ein sehr nettes Wirtshaus. Wir haben den Abend dann bei gutem Essen (und einem Schnaps zum Abschluss ;-)) ausklingen lassen.

Der nächste Morgen startete mit einem entspannten Frühstück – der Fokus lag auf der Fotografie am Wasser und deshalb gab es auch keinen Stress, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang irgendwo zu sein. Auch mal schön. Als erster Spot stand dann einer der berühmtesten Wasserfälle im Soča-Tal am Plan: der Slap Kozjak.

Der Wasserfall liegt am Ende eines schönen Wanderwegs in einer Höhle und wird seinem Ruf mehr als gerecht. Auch hier war der Polfilter wieder unverzichtbar. Das Wasser hatte an dieser Stelle eine eher grüne Farbe – im Soča-Tal finden sich also nicht nur blaue Bäche!

Gerade Wasserfälle eignen sich auch ideal, um mittels eines menschlichen Bezugspunkts (in diesem Fall unser Workshopleiter) die Dimensionen zu verdeutlichen! Solltet ihr so etwas auch einmal ausprobieren, bitte daran denken: die Herausforderung ist in so einer Situation auch, dass das Modell die komplette Belichtungszeit ruhig halten sollte. Sonst wird es nichts mit der Bildschärfe!

Nachdem wir den Großteil des Vormittags am Slap Kozjak fotografiert hatten, ging es wieder zurück in Richtung Auto und für ein schnelles Mittagessen und einen Kaffee nach Bovec.

Zweiter Teil: Noch mehr Bachlandschaften im Soča-Tal

Mit etwas Koffein im Blut und einem Mittagsessen im Bauch, waren wir wieder voll motiviert uns auch für den restlichen Tag der Fotografie zu widmen. Von Bovec aus war das nächste Ziel nur eine kurze Autofahrt entfernt: ein wunderschönes Tal etwas abseits der Soča.

Ein kurzer Rundwanderweg bot viele spannende Motive, allesamt recht leicht zugänglich. Gummistiefel hatte ich trotzdem dabei. Die gehören für mich einfach zur Standardausrüstung, wenn ich am Wasser unterwegs bin (irgendwann sieht man auch die oft etwas belustigten Blicke der Wanderer oder Spazierengeher nicht mehr – wer Fotograf sein will, muss mit Aufmerksamkeit klarkommen).

Auch am Nachmittag war mein bester Freund (… neben den Gummistiefeln) wieder der Polarisationsfilter. Die Nutzung des Filters ist recht einfach, man schraubt oder klemmt (da ist die Handhabung je nach Hersteller meist etwas unterschiedlich) ihn vor das Objektiv und dreht so lange, bis die gewünschte Stärke des Effekts erreicht ist. Am besten sucht man sich dazu eine Stelle mit einer starken Reflexion (z.B. einen glänzenden Stein, über den nur wenig Wasser läuft) – dann kann man am besten beobachten, welche Auswirkung der Polfilter auf das Bild hat!

Je nach Stellung des Filters werden die Reflexionen dann verstärkt oder abgeschwächt – in den meisten Fällen möchte man sie vermindern. Zusätzlich fällt weniger Licht durch das Objektiv, das Bild kann also länger belichtet werden und das Wasser bekommt diesen wunderschönen „verwischten“ Look.

Ich fotografiere Bäche auch sehr gerne im Hochformat, das verleiht dem Bild gefühlt etwas mehr Dynamik! (Was ist euch lieber – Hochformat oder Querformat? Über einen Kommentar würde ich mich freuen!)

Nicht an allen Stellen war das Herbstlaub durch so viele Gelb- und Rottöne geprägt, sondern es ließen sich auch unzählige Schattierungen von Grün finden: an vielen Plätzen hatte das Moos alles (Felsen, die Bäume … einfach alles) fest im Griff.

Nicht nur der Bachlauf bot sich für unterschiedliche Einstellungen an, sondern auch ein Wasserfall zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Er hatte sich sehr tief in das umliegende Gestein eingraben – dadurch wirkt es auf dem Foto nun beinahe so, als wäre der Wasserfall von Felsen und Bäumen eingerahmt. Einmal eine etwas andere und deshalb spannende Perspektive, wie ich finde!

Auch dieser Nachmittag ging schnell vorbei und nach einigen Stunden war es wieder Zeit nach Bovec zurückzukehren. Den Abend verbrachten wir wieder im selben Wirtshaus (ich weiß leider den Namen nicht – aber es ist wirklich absolut empfehlenswert und liegt mitten im Ort) und stärkten uns für den folgenden, letzten Tag in Slowenien.

Dritter Teil: Fifty Shades of Water

Fünfzig Schattierungen sind es vielleicht nicht, aber eine Besonderheit im Soča-Tal sind sicher die wunderschönen Farben der Flüsse und Bäche. Von Blitzblau über Blaugrün bis hin zu beinahe Moosgrün ist alles dabei – das hatte ich bereits festgestellt! Am dritten Tag der Tour stand dann die Soča im Mittelpunkt des fotografischen Interesses – die Soča-Tröge waren erklärte das Ziel. Dabei handelt es sich um Auswaschungen im tief eingeschnittenen Flussbett, die mit ihren Farben einen tollen Rahmen für das blaue Wasser bieten.

Da selbst eine gewagte Klettertour am ersten Spot eher darin resultiert hätte, mitsamt Ausrüstung ins Wasser zu stürzen (und da ging es schon ein Stück runter), als einen Standort näher beim Wasser zu finden, galt es einen guten Platz mit interessanter Perspektive an der Uferkante zu finden.

Durch die lange Belichtungszeit von über einer Minute wirkt das Wasser vor allem in den Stromschnellen sehr weich. Ein Polarisationsfilter vermindert wieder die Reflexionen.

Herbstlaub, Moos, Felsen und Fluss bildeten großartige Farbkombinationen und an manchen Standorten gab es dann auch die Möglichkeit etwas näher zum Fluss zu gelangen. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Hier zeigte sich das Soča-Tal dann in seiner ganzen Pracht! Die Färbung des Flusses ist atemberaubend schön und lässt einen auch mal das Fotografieren vergessen, weil man „aus dem Schauen gar nicht mehr rauskommt“.

Eine kurze Autofahrt brachte unsere Gruppe dann weg von der Soča hin zu einem der unzähligen kleineren Bäche, die sich durch diese Gegend schlängeln. Dort stand ein kurzer Fußmarsch an – die Gummistiefel machten sich einmal mehr bezahlt, denn ein wir mussten einmal direkt durchs Wasser durch. Nach einer kleinen Klettertour erreichten wir wieder einen Wasserfall. Leider führte er recht wenig Wasser, dafür war die Lichtstimmung großartig: durch die Feldspalte hinter dem Wasserfall fiel das Licht sehr warm und diffus auf die ganze Szenerie.

Als letzter Spot stand noch eine Mutprobe am Programm: gute Sicht auf die zwei kleinen Pools hatte man nur, wenn man auf einem recht ausgesetzten Grat stand. Ich war also damit beschäftigt, dass Stativ, Kamera, Filter und ich selbst wie eine Einheit agierten, um nicht hinunter zu „köpfeln“. Das Kunststück gelang und das Bild war es absolut wert!

Das Soča-Tal hat nicht zu viel versprochen – gerade, wenn man sich wie ich nicht viel Schöneres vorstellen kann, als mit Kamera, Stativ und Gummistiefeln in einem Bach zu stehen, ist man in der Gegend gut aufgehoben! Für mich steht jedenfalls fest, dass es sicher nicht mein letzter Besuch dort war!

Anmerkung: der Beitrag ist eine Zusammenfassung und leichte Überarbeitung der drei ursprünglichen Blogbeiträge zu meiner Fototour im Soča-Tal. Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich einen Artikel draus gemacht.

Die Bilder in größer und auch weitere Fotos aus dem Soča-Tal findet ihr hier.

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