Wasserwelten: 2 Ideen für Langzeitbelichtungen Tipps & Tricks
Tipps & Tricks

Wasserwelten: 2 Ideen für Langzeitbelichtungen

Wenn du gerne am, im und ums Wasser fotografierst, hast du in Österreich die Qual der Wahl: Seen, Flüsse, Auenlandschaften und unzählige Bäche stehen zur Auswahl. Da geht einem das Meer dann schon etwas weniger ab. Außerdem ist Wasser das Element schlechthin, wenn es um Langzeitbelichtungen geht und damit auch eines meiner liebsten Motive.

Ab in die Klamm

Eine Klamm bezeichnet ein enges, meist in Felsen eingeschnittenes Tal, welches von einem Bach oder Fluss durchflossen wird. Zumindest würde ich nichts als Klamm bezeichnen, in dem es kein Wasser gibt. Das wäre dann eine Schlucht – das Wasser ist also essentiell. Und genau deshalb finde ich Klammen so toll. Aber auch nicht ganz einfach zu fotografieren oder anders gesagt: für den Fotoerfolg ist schon einmal einiges an Vorarbeit notwendig. Denn nicht jede Klamm eignet sich zum Fotografieren und das Wetter solltest du auch im Hinterkopf haben!

Es gibt so ein paar Punkte, die es schwieriger machen, mit guten Fotos nachhause zu kommen, zumindest wenn dein Zielfoto eine Langzeitbelichtung ist:

  • Spektakulär Schluchten und meterhohe, überhängende Felswände – was bei einer Wanderung ordentlich Eindruck macht und eigentlich auch einer Klamm par excellence entspricht (zumindest laut meiner Definition ein paar Zeilen weiter oben) bringt oft eines mit sich: Holzstege. Holzstege schwingen, wenn jemand drüber geht und das ist gar nicht ideal für Langzeitbelichtungen. Außerdem stehst du definitiv immer im Weg, wenn du dein Stativ aufgebaut hast.
  • Sind Holzstege notwendig, damit du die Klamm durchwandern kannst, dann ist es oft schwer möglich direkt zum Wasser zu gelangen. Gerade dort findest du aber ganz oft die besten Standorte und Motive.
  • Ist es trotzdem gefahrlos möglich irgendwo runter zu kraxeln, kommt das dann eventuell bei den anderen Besuchern nicht so gut an und du bekommst zumindest kopfschüttelnde Blicke zugeworfen. Mich zumindest stresst das und dann ist auch das Fotografieren nicht mehr ganz so lustig.
  • Kein Wölkchen trübt den Himmel, die Sonne scheint und es ist warm – perfekte Bedingungen zum Wandern, nicht wirklich gute, um in einer Klamm Langzeitbelichtungen aufzunehmen. Wettertechnisch zumindest nicht. (Starke) Bewölkung, eventuell sogar ein bisschen Nieselregen oder Nebel im Wald erzeugen eine tolle Stimmung und das diffuse Licht kommt der Langzeitbelichtung zu Gute: die ganze Szene wird gleichmäßig ausgeleuchtet.
  • Zusätzlich sind an nicht so schönen Tagen viel weniger Menschen unterwegs (denke an Punkt 3 meiner Aufzählung).
  • Klammen sind toll für Wanderungen im Hoch- und Spätsommer, meistens ist es da drin kühler und du kannst vielleicht sogar deine Füße ins Wasser hängen. Fürs Fotografieren eigenen sich jedoch der Frühling und der Herbst besser. Im Frühling ist alles saftig grün und die Natur wirkt richtig frisch. Im Herbst färben sich die Blätter und in waldreichen Klammen stehst du dann mitten in einem Farbenmeer. Außerdem ist das Wetter oft schlechter und damit für die gewünschten Langzeitbelichtungen besser (verwirrend ich weiß, aber mittlerweile haben wir uns ja auch schon daran gewöhnt, dass negativ positiv ist… ;-)).

Meine „Must-Haves“ in der Klamm

Nun kennst du so ein paar Dinge, die ich beachte, wenn ich nach einer geeigneten Klamm (wenige Holzstege, die Möglichkeit auch mal einfach direkt ans Wasser zu kommen) und dem passenden Tag (bewölkt, eventuell sogar ein bisschen verregnet) für einen Fotoausflug suche. Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage, was du an Equipment brauchst und das ist eigentlich gar nicht so viel:

  • Kamera (eh klar)
  • Objektiv (ich nutze in Klammen am liebsten einen Brennweitenbereich von 20-70 mm)
  • Stativ (Langzeitbelichtungen funktionieren ohne nicht)
  • Polarisationsfilter (super wichtig!)
  • Fernauslöser
  • Gummistiefel oder Neopren-Patschen (damit du auch wirklich ins Wasser rein kannst, geht natürlich auch barfuß –> dann ist’s aber kälter und du musst mehr auf den Untergrund achten)
  • Mikrofasertücher (um Filter und Kamera abzutrocknen)

Der Polarisationsfilter ist der Teil der Ausrüstung, der die Bilder dann besonders macht! Es handelt sich dabei zumeist um runde Schraubfilter, die entweder direkt auf dem Objektiv oder als Teil eines Filtersets vor dem Objektiv angebracht werden. Bei den meisten Herstellern haben sich zirkulare Polarisationsfilter durchgesetzt (CPL), damit kannst du eigentlich auch nichts falsch machen! Nur bei linearen Polarisationsfiltern in Kombination mit den meisten modernen Kamera musst du ein bisschen aufpassen, weil es da zu Problemen mit der Belichtungsmessung kommen kann. Das ist auch der Grund, warum sich die zirkularen Polfilter durchgesetzt haben.

Ich nutze den „Landscape CPL“ von NiSi in Kombination mit dem V6-Filtersystem, bin damit sehr zufrieden und kann diese Kombi weiterempfehlen. Gute Polarisationsfilter gibt es aber von einigen Herstellern, wichtig ist vor allem, dass es zu keinen Farbverschiebungen durch den Filter kommt. Darauf solltest du beim Kauf achten!

Der Polarisationsfilter und sein Nutzen

Was macht so ein Polfilter jetzt eigentlich? Im Endeffekt absorbiert er jenen Teil des Lichts, der in der falschen Ebene „schwingt“. Dadurch werden Spiegelungen und Reflexionen minimiert (das funktioniert bei allen nichtmetallischen Oberflächen). Das Grün von Blättern, Moosen (und halt allem was grün ist bzw. Grünanteile hat) wird intensiver, weil auch blaue Reflexionen gefiltert werden. Weil also ein Teil des eintreffenden Lichts durch den Filter „geschluckt“ wird, verlängert sich auch die Belichtungszeit etwas. Dadurch genügt es, wenn du in Klammen (an bewölkten Tagen) nur den Polarisationsfilter nutzt. Einen zusätzlichen Graufilter brauchst du nicht und kannst trotzdem eine Langzeitbelichtung machen.

Um den gewünschten Polarisationseffekt zu erreichen, drehst du den Filter einfach so lange, bis die Reflexionen in der Bildvorschau (Sucher oder Display) verschwinden.

Hier steht der Polfilter nicht in der richtigen Position! Die Reflexionen an den Steinen und auch an den Blättern sind deshalb nicht minimiert und sorgen für eine unruhige Bildwirkung. Außerdem wirken die Farben flach.

Nachdem ich den Polfilter in die passende Position gedreht habe, wurden die Reflexionen „absorbiert“ und sämtliche Grüntöne wirken wesentlich gesättigter!

Der Polfilter sorgt außerdem für Belichtungszeiten länger 1/10s (bei diesen Bildern 1/6s beim ersten und 1/4s beim zweiten) und damit erreichst du den gewünscht „Fließeffekt“ von Wasser (zumindest in Klammen, da ist das Wasser im Normalfall schnell genug unterwegs). Langzeitbelichtung geglückt, würde ich sagen!

Die Wahl der „richtigen“ Belichtungszeit

Noch ein Wort zum Schluss: belichtest du einen Bach, Wasserfall oder ähnliches, also schneller fließendes Wasser, einige Sekunden lang, dann wirkt das Wasser am Foto extrem weich (Langzeitbelichtungen sorgen für Bilder, in denen zumindest Milch fließt ;-)). Das kann gut aussehen, tut es aber nicht zwingend. Viel hilft bei Langzeitbelichtungen nicht immer viel. Oft schaut’s fast schöner aus, wenn noch etwas Dynamik und Struktur im Wasser zu erkennen sind. Und dafür genügen Belichtungszeiten von 1/4s bis maximal 0,5 Sekunden.

Der Effekt hängt zusätzlich auch noch von der Wassermenge und der tatsächlichen Fließgeschwindigkeit ab, grundsätzlich kannst aber schon davon ausgehen, dass das Wasser „milchiger“ wird, umso länger du belichtest. Zu sehen ist das gut bei dem ersten der drei folgenden Bilder, da habe ich 4s belichtet. Den Wasserfall am zweiten Foto habe ich sogar 20s belichtet, hier merkst du, dass eben nicht nur die Belichtungszeit eine Auswirkung hat auf die „Wasserstruktur“ hat.

Spieglein, Spieglein… im Wasser

Klammen eignen sich also ideal, wenn du Dynamik und Bewegung festhalten willst, schließlich fließt das Wasser mehr oder weniger schnell durch. Steht dir der Sinn nach etwas mehr Ruhe, dann ab zum nächsten See. Am besten frühmorgens zum oder bereits vor Sonnenaufgang. Du fragst dich, warum es so früh sein muss? Zum einen, weil du dann tatsächlich auch an sehr vielen Seen, die eigentlich als Touristen-Hotspots, gelten deine Ruhe hast. Zum anderen, weil Seen zumeist in der Früh eine recht ruhige Wasseroberfläche. Dann musst du für „saubere“ Spiegelungen auch nicht so lange belichten. Wird’s wärmer, dann kommt auch Bewegung in den See.

Eine Langzeitbelichtung ohne Motiv, also quasi langzeitbelichtet um der langen Zeit willen, ist fad. Du solltest schon einen Grund haben, warum du dich dafür entscheidest. Für mich ist das perfekte Motiv an einem See eine Spiegelung. Und lange Langzeitbelichtungen in Kombination mit einer eher ruhigen Wasseroberfläche führen zu sehr klaren und wunderschönen Spiegelungen. Das ist mein Grund, warum ich an Seen gerne Langzeitbelichtungen mache.

Meine „Must-Haves“ am See

Meine Ausrüstung entscheidet sich dann auch ein wenig von jener, die ich in Klammen dabei habe:

  • Kamera (joa…)
  • Objektiv (da variiere ich oft so im Bereich von 20mm bis irgendwas knapp über 100mm)
  • Stativ (wieder unentbehrlich)
  • Graufilter
  • Grauverlaufsfilter (um eine ausgewogene Belichtung hinzubekommen)
  • Fernauslöser

Graufilter und wofür du sie brauchst

Der wichtigste Part für die Umsetzung einer Langzeitbelichtung kommt hier also dem Graufilter zu. (Und dem Stativ, ein oft unterschätztes Ausrüstungsteil, das nochmal einen eigenen Blogartikel bekommt.) Graufilter ist nichts anderes als eine dunkel gefärbte Glasplatte, die Licht schluckt. Je dunkler das Glas, umso mehr Licht geht auf dem Weg zum Sensor verloren, umso länger kann belichtet werden. Die Heilige Dreifaltigkeit der Graufilter besteht aus:

Neutraldichte ND Verlängerungsfaktor Blendenstufen Lichtdurchlässigkeit in %
0.9 8 3 12,5
1.8 64 6 1,5
3 1000 10 0,1

Ich nutze derzeit diese drei Stärken, bin aber gerade dabei an meinem Setup zu feilen und kann dir für den Anfang empfehlen, mit dem ND1.8 zu starten. Der ist eigentlich maximal flexibel und ermöglicht gerade an den Tagesrandzeiten auch schon mal Belichtungszeiten länger als 1 min.

Auch hier empfehle ich Filter von NiSi – vor allem deshalb, weil sie sehr farbneutral sind. Egal für welchen Hersteller du dich entscheidest, mein Tipp ist darauf zu achten, dass die Filter aus Glas sind (besser zu reinigen, kaum anfällig für Kratzer) und kaum Farbverschiebungen aufweisen (das erspart dir Arbeit in der Nachbearbeitung).

Spiegelungen am See

Stativ aufgebaut, Filterhalter vors Objetiv geschraubt und den passenden Filter angebracht, Belichtungszeit berechnet (hier erkläre ich nochmal wie das funktioniert) und los geht’s mit der Langzeitbelichtung. Ist die Seeoberfläche ruhig, dann genügt teilweise schon eine eher kurze Belichtungszeit von z.B. 4s wie bei dem folgenden Bild.

Bei (leichtem) Wellengang hilft es, die Belichtungszeit zu erhöhen: die Wasseroberfläche wird dann glatter und die Spiegelung kommt besser hervor. Bei dieser Aufnahme habe ich 30s belichtet.

(Kurz) zusammengefasst

Meine Beträge sind selten kurz, das weiß ich und umso stolzer kannst du auf dich sein, wenn du bis hier durchgehalten hast! 🙂

Klammen, Seen, Bäche, Flüsse – Österreich bietet unzählige Wasserwelten und damit auch vielfältige Möglichkeiten für Langzeitbelichtungen am und im Wasser. Willst du dich ans Thema „Langzeitbelichtungen“ herantasten, ist Wasser in meinen Augen auch das am besten geeignete Motiv! Es bietet sich einfach die verschiedenen Belichtungszeiten und Bildwirkungen auszuprobieren und du siehst auch sehr schnell, welchen Unterschied es macht, ob du eine halbe Sekunde oder gleich eine ganze Minute belichtest.

Willst du Klammen fotografieren:

  • Such dir eine Klamm, wo du gut direkt zum Wasser kannst, im Idealfall hat sie deshalb auch keine oder nur wenige Holzstege.
  • Warte auf einen bewölkten Tag. Auch leichter Nieselregen muss dich nicht abschrecken (insofern du und dein Equipment das aushalten).
  • Pack dein Stativ, deinen Polfilter und Gummistiefel ein.

Bei Spiegelungen und Langzeitbelichtungen an einem See:

  • Sei bald in der Früh dort. Der Sonnenaufgang ist sowieso eine der schönsten Tageszeiten und die Seeoberfläche wird zu dieser Zeit vermutlich am ruhigsten sein.
  • Vergiss dein Stativ und deinen Graufilter (für den Anfang eignet sich ein ND1.8 gut) nicht!

Und dann heißt einfach ausprobieren. Das mache ich selber auch andauernd und habe ziemlich viel Spaß daran herauszufinden, welche Belichtungszeit am besten zu welchem Motiv passt! Mögt ihr Langzeitbelichtungen auch gerne? Was ist euer Lieblingsmotiv dafür? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Hinweis: Da in diesem Beitrag Marken genannt oder verlinkt wurden, handelt es sich um Werbung. Unabhängig davon, ob es eine Gegenleistung gab oder nicht.

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